Kaija Saariaho (1952–2023) war eine führende Stimme ihrer Komponistengeneration, sowohl in ihrer Heimat Finnland als auch weltweit. Sie studierte Komposition in Helsinki, Freiburg und Paris, wo sie von 1982 bis zu ihrem Tod lebte. Ihre Studien und Forschungen am IRCAM, dem Pariser Zentrum für elektroakustische Experimente, hatten einen großen Einfluss auf ihre Musik, und ihre charakteristisch üppigen und geheimnisvollen Klangtexturen entstanden oft durch die Kombination von Live-Performance und Elektronik.
Nach ihrem Durchbruch mit dem Stück Lichtbogen für Ensemble und Elektronik im Jahr 1986 erweiterte Saariaho ihren musikalischen Ausdruck nach und nach auf eine Vielzahl von Genres, und ihre Kammermusikwerke und Chormusik sind zu festen Bestandteilen des Repertoires von Instrumental- und Vokalensembles geworden.
Sie erlangte internationale Bekanntheit als Komponistin von Werken, die von Symphonieorchestern auf der ganzen Welt aufgeführt wurden, darunter Oltra Mar (1999), Orion (2002), Laterna Magica (2008) und Circle Map (2012) sowie sechs Konzerte (darunter Graal Théâtre für Violine 1994 und Notes on Light für Cello 2006) und fünf große symphonische Liederzyklen (z. B. Château de l’âme aus dem Jahr 1995 und True Fire aus dem Jahr 2014), die alle von ihrem unermüdlichen Bestreben geprägt sind, Wissenschaft, Technologie und Rationalität mit einem Ansatz zu verbinden, der auf poetischer Inspiration basiert und zu tiefen sensorischen und assoziativen Erfahrungen führt.
Saariahos größte öffentliche und kritische Anerkennung erhielt sie für ihre Arbeit im Bereich der Oper: L’Amour de loin (2000), Adriana Mater (2006), La Passion de Simone (2006), Émilie (2010), Only the Sound Remains (2016) und Innocence (2020), wobei letzteres von der New York Times als Saariahos »Meisterwerk« bezeichnet wurde, wurden alle bei ihrer Uraufführung begeistert aufgenommen und genossen das seltene Privileg weltweiter Tourneen und mehrfacher Bühnenproduktionen. Ihre ausdrucksstarke Behandlung von Stimme und Orchester sowie ihr Engagement für die Erneuerung der Form und der Bandbreite der Geschichten, die auf den größten Bühnen dargestellt werden, haben diese sechs sehr unterschiedlichen Werke bereits zu Lebzeiten der Komponistin zu Klassikern der Oper des 21. Jahrhunderts gemacht.
Saariaho wurde mit bedeutenden Kompositionspreisen wie dem Grawemeyer Award, dem Nemmers Prize, dem Sonning Prize und dem Polar Music Prize ausgezeichnet, und zwei ihrer Aufnahmen erhielten Grammy Awards. In einer Umfrage des BBC Music Magazine unter ihren Kollegen wurde sie 2019 zur »größten lebenden Komponistin« gekürt.